Köln - 22. August 2025 Kölner Zoo
Bedrohte Art erfolgreich vermehrt:
Vier Rotgesicht-Hornraben im Kölner Zoo geschlüpft
Wimpern wie ein Model, großer Schnabel, schwarzes Gefieder, leuchtend-rötliche Wangen: Rotgesicht-Hornraben (Bucorvus leadbeateri) sind eindrucksvolle Tiere. Im Kölner Zoo sind vier Küken dieser aus dem südlichen Afrika stammenden Vögel geschlüpft. Die Aufzucht vom Nestling bis zum flugfähigen Jungvogel erfordert bei dieser gefährdeten Art viel Expertise – dem Kölner Zoo-Team ist sie gelungen.
Mitte Januar dieses Jahres entnahmen die Tierpflegerinnen und Tierpfleger aus dem Vogelbereich des Kölner Zoos ein Ei aus der Nestbox der Hornraben, nachdem das Elternpaar sein erstes Ei kurz zuvor zerstört hatte. Am 27. Februar schlüpfte dann in der Brutmaschine ein männliches Jungtier. Die ersten Wochen verbrachte es „backstage“ im Kölner in einer Art Kinderstube, in der es vom Tierpfleger-Team liebevoll betreut wurde. Als das Küken groß und kräftig genug war und keine Wärmelampe mehr benötigte, kam es anfangs geschützt durch einen Käfig zurück zu den Eltern. Sie begannen sofort damit, es zu füttern. Schon nach wenigen Tagen wurde der Käfig entfernt. Seither ist der Jungvogel Teil der Gruppe, die aus den Eltern und einem männlichen Jungvogel aus dem vergangenen Jahr besteht.
Ei, Ei, Ei – das kommt sehr selten vor
Zur Freude des Kölner Zoos legte das Hornraben Eltern-Paar Mitte März nochmals und bebrütete dann auch zuverlässig das Nest. Bei einer Kontrolle nach zwei Wochen stellten die Tierpflegerinnen und -pfleger jedoch überraschend fest, dass sich drei Eier im Nest befanden, was nur sehr selten vorkommt. Alle drei waren befruchtet. Da das dritte Ei jedoch nur halb so groß wie die anderen beiden Eier war, entschloss sich der Zoo, auch in diesem Fall auf Nummer sicher zu gehen und das ganze Gelege erneut in der Brutmaschine ausbrüten zu lassen. Das Tierpfleger-Team schaffte es auch diesmal, alle drei Küken erfolgreich aufzuziehen. Anschließend konnten diese wieder zur Familiengruppe zurückgesetzt werden. Seit einigen Wochen lebt nun der siebenköpfige Hornraben-Clan gemeinsam auf seiner Anlage.
Wichtig: Durch diese Form der Aufzucht prägen sich die Jungvögel auf ihre Familie und weisen keinerlei Verhaltensunterschiede im Vergleich mit komplett elternaufgezogenen Jungtieren auf. „In der Wildnis kommt bei einem Zweiergelege in der Regel nur ein Jungtier durch. Durch unsere Methodik schaffen wir es, die Aufzucht-Quote auf nahezu 100 Prozent zu bringen. Das ist wichtig, denn leider ist durch Lebensraumzerstörung auch diese Art immer stärker gefährdet“, so Bernd Marcordes, Vogelkurator im Kölner Zoo.
Rotgesichtige Team-Player
Der Rotgesicht-Hornrabe bewohnt die südlich des Äquators gelegenen Savannen. Er wird daher auch Südlicher Hornrabe genannt. Die Vögel haben eine Körperlänge von 90 bis 100 Zentimetern. Ihre Flügelspannweite umfasst fast zwei Meter. Männchen wiegen im Schnitt 4, Weibchen gut 3 Kilogramm. Das Gefieder ist schwarz. Die ungefiederten Gesichtspartien, Kehle und Vorderteil des Nackens sind leuchtend rot. Der Schnabel ist schwarz bis grauschwarz.
Rotgesicht-Hornraben sind standorttreu und verteidigen ihr Territorium. Sie leben in Gruppen von zwei bis zwölf Tieren. Eine Gruppe besteht aus einem dominanten, brütenden Paar und deren Jungvögeln verschiedenen Alters. Sie sind ständig auf Nahrungssuche, wobei die Tiere langsam über die Erde schreiten und den Boden mit dem Schnabel absuchen. Größere Beute wie Schlangen oder kleine Säugetiere wird von mehreren Tieren gemeinsam erlegt.
Rotgesicht-Hornraben bauen ihre Nester in Baumhöhlen. Sie werden vom brütenden Paar und Helfern errichtet und mit Gras und Blättern ausgepolstert. Das brütende Weibchen wird von den Gruppenmitgliedern versorgt. Die Eier sind weiß mit einer körnigen Oberfläche. Aus den beiden Eiern, die das Weibchen legt, schlüpft nach etwa 40 Tagen das erste Küken und wenige Tage danach ein zweites. Dieses verhungert in aller Regel, weil es dem Älteren unterlegen ist. Rotgesicht-Hornraben werden bis zu vierzig Jahre alt, Tiere in Zoos können ein Alter von 60 Jahren erreichen.
Die Bestände des Rotgesicht-Hornraben sind rückläufig. Grund ist vor allem die fortschreitende Zerstörung seiner Lebensräume. Die Weltnaturschutzunion stuft die Vogelart in der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten als „gefährdet“ ein.
Fotos: Kölner Zoo